Rodney Graham. Lightboxes


Rodney Graham, Media Studies, 77, 2016, Leuchtkasten, 232,2 x 182 x 17,8 cm. Courtesy Hauser & Wirth and the artist © Rodney Graham, 2017

Die Entscheidung, seine Biografie in den Dienst der Kunst zu stellen, beinhaltet immer auch eine Entscheidung für eine bestimmte Rolle. Der Dandy oder der Bohemien, der Komplize der Unterdrückten oder der Lieferant der Privilegierten – wie jedes Berufsbild liefert auch das Künstlertum seine Klischees gleich mit. Der kanadische Künstler Rodney Graham inszeniert diese Rollenbilder virtuos – und hinterfragt dabei, wie sich aus der sozial definierten Rollenzuschreibung individuelle Identitäten herausbilden. Und immer in der Hauptrolle: Er selbst. Sein Medium: Der klassische Werbe-Leuchtkasten. So werden der detailreich inszenierte Antiquar oder auch der moderne Cowboy zum Werbeträger ihres Selbst. Doch hinter der glatten, strahlenden Oberfläche der illuminierten Fotografie verbirgt sich immer auch ein Anflug von Melancholie, die von den Lasten kündet, seine Rolle im großen Theater des Lebens perfekt spielen zu müssen.

Wie kaum ein anderer Gegenwartskünstler hat sich der 1949 geborene, in Vancouver lebende Rodney Graham auf die Spuren der Lebenswelten des 19. und 20. Jahrhunderts begeben. Dabei arbeitet er seit den 1970er Jahren an einem verzweigten, konzeptionellen Werk, das immer wieder neue Zeit- und Genresprünge wagt. In seinem Schaffen verknüpft er Film, Fotografie, Installation, Performance, Malerei, Literatur und Musik. Graham, der gemeinsam mit Künstlern wie Jeff Wall oder Stan Douglas zu der sogenannten „Vancouver School“ zählt, zitiert Stile, Moden und Diskurse von der Romantik bis zur Postmoderne, um sie mit leiser Ironie zu kommentieren, weiterzudenken und umzuschreiben. Seine Inspirationsquellen reichen von Größen wie Sigmund Freud, Richard Wagner oder Edgar Allen Poe bis zu Pop- Heroen wie Kurt Cobain. Das eigene künstlerische Selbstverständnis, Haltungen wie Befindlichkeiten, werden dabei gleichermaßen ent- wie verhüllt.

In enger Zusammenarbeit mit dem Künstler ist es dem Museum Frieder Burda nun gelungen, die bisher größte Übersichtsausstellung mit Rodney Grahams Fotoleuchtkästen zu präsentieren. Die Leuchtkästen, ein zentrales Medium in seinem komplexen Werk, reichen von 2000 bis in die aktuelle Gegenwart.

Rodney Graham. Lightboxes
Museum Frieder Burda

Lichtentaler Allee 8b
76530 Baden-Baden,  Baden-Württemberg
Telefon: +49 (0)7221 / 3 98 98-0
Besucherinformationen: Museum Frieder Burda

Bitte Weitersagen:

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.