Tanseuropa – Ce Jian and Yuzheng Cheng


Ce Jian and Yuzheng Cheng, Transeuropa 45-2017, pen and acrylic paint on paper, 31x41cm

Europa auf dem Prüfstand. Flüchtlingskrise, Terroranschläge, nationalistische Parteien gewinnen an Zuspruch bei den Wahlen, Brexit. Und plötzlich steht das Projekt Europäische Union in Frage. Ausgehend von einer politischen Europakarte haben die in Berlin lebenden Künstler Ce Jian und Yuzheng Cheng im Stille-Post-Verfahren über 60 Tage hinweg 60 Landkarten mit Acrylfarbe auf Papier erarbeitet.

Mit dem ursprünglichen Anspruch, ein mimetisches Abbild der Originalkarte zu schaffen, nahmen sich die Künstler in der Folge immer abwechselnd die von dem anderen angefertigte Landkarte als Vorlage. So entstand ein gemeinsames Tagebuch, in dem die individuelle Autorschaft verschwimmt.

Ce Jian ist in Deutschland aufgewachsen, Yuzheng Cheng in China, sie kennen die Innen- und Außenperspektive auf Europa. Zu dem Projekt bewogen, haben die beiden Künstler die aktuellen Umwälzungen in Europa und deren mediale Berichterstattung, bei der Landkarten von Europa seither omnipräsent sind.

In „Transeuropa“ sortieren Ce Jian und Yuzheng Cheng Europa neu. Mit lapidaren, ironischen Zukunftsentwürfen reagieren sie auf die unberechenbare Dynamik von Flüchtlingsrouten, Frontex-Schutzprogrammen und fortwährende Verschiebungen innerhalb der EU und nationaler Barrieren. Die Gesamtansicht aller 60 Bilder hat etwas Überwältigendes. Die durch den Ausstellungsraum mäandernden Kartenbilder machen den zeitlichen Verlauf und die schleichende Verschiebung von Farben, Formen und damit auch Grenzen sichtbar.

Die ergänzenden Arbeiten, die die Künstler parallel zu der Installation angefertigt haben, changieren zwischen Resümee, Essenz und Progress. Sie greifen Elemente des Arbeitsprozesses auf verdichten diese in den „Map Cuttings“ in Form von Collagen aus amorphen Farbflecken, die von den einzelnen Länderdarstellungen abstrahiert sind. Ihre Übermalungen von zwei gefundenen romantischen Landschaftsgemälden mit dem Titel „Territorium“ verstärken den konzeptuellen Gedanken der Arbeit im kunsthistorischen und ideologischen Sinne. Diese Art der alten europäischen Malerei ist eng verknüpft mit der Idee von Heimat und deren leidenschaftlicher Überhöhung. Aus Angst vor denjenigen, die ihre Heimat verlassen mussten, sehen die Europäer nun ihre Heimat in Gefahr. Die Arbeiten machen die Diskrepanz zwischen der Außenwahrnehmung und dem aktuellen kulturellen Selbstverständnis von Europa als Einheit deutlich. (aus dem Pressetext)

Zu der Ausstellung erscheint ein limitiertes Künstlerbuch, das alle Bilder chronologisch präsentiert und den Wandlungsprozess der EU-Karte in Form eines Daumenkinos vor Augen führt. Eingeschlossen zwischen dem Vordercover aus einer abstrakten Farbpalette und dem Rückcover mit der EU als Ausmalbild formieren sich die Karten zu einer wortlosen Narration.
TRANSEUROPA,120 Seiten, Softcover, limitierte Auflage: 150, bei A Book Edition erschienen

Tanseuropa – Ce Jian and Yuzheng Cheng
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