Ausstellungen und Kunstblog
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05.03.10 - 25.05.10: Kestnergesellschaft
Goseriede 11, Hannover,
Telefon: 0511-70120-0
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Die Einzelausstellung von Bethan Huws in der kestnergesellschaft verspricht mit unterschiedlichen Werkgruppen tiefen Einblick in das vielfältige Schaffen der walisischen Künstlerin zu geben. Versammelt sind filmische, textbasierte, installative sowie objekthafte Arbeiten. Huws’ künstlerische Ausdruckweise gilt als konzeptuell wie formal klar und präzise. Nicht zuletzt, weil scheinbar das Gedankliche vor dem Visuellen überwiegt, aber auch weil Sprache eine entscheidende Rolle bei ihr einnimmt. Inhaltlich kreist Huws um die Frage nach der Produktion von Bedeutung durch und das Verstehen von Kunst. »WHAT’S THE POINT OF CREATING MORE ARTWORKS WHEN YOU DON’T UNDERSTAND THE ONES YOU’VE GOT?« heißt es in einer Wortvitrine von 2006.
Vor diesem Hintergrund steht die intensive Auseinandersetzung mit dem OEuvre Marcel Duchamps, die sich in einer Vielzahl der hier gezeigten Exponate ausdrückt. So spielt bereits ihr Film Fountain (2009) auf sein berüchtigtes Ready-made desselben Titels an: das auf den Rücken gelegte und signierte Urinal von 1917. Bethan Huws dagegen zeigt barocke Brunnen in Rom, während sie über die Funktion von Sprache für sein letztes Werk Étant donnés (1946-66) reflektiert. Aus diesem isoliert sie für ihre Arbeit Étant donnés (2008) ein einziges Element und bildet es nach – einen Arm, der eine Gaslampe hält – und installiert es als Armleuchter im wahrsten Sinne des Wortes. Auch Forest (2008-09) basiert auf einer Aneignung: Besteht Duchamps Porte-bouteilles (1914) aus einem einzelnen Flaschentrockner, so lässt Huws Dutzende dieser, ohnehin einem Baum ähnelnden, Objekte zu einem Wald anwachsen. Damit wendet sie Duchamps Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber ästhetischen Prämissen in eine neue Richtung, die auf das Verhältnis zwischen Sprache und Dingen aufmerksam macht. In der kestnergesellschaft wird in diese Installation die Projektion von A Marriage in the King’s Forest (2009) integriert, ein Dokumentationsfilm einer Hochzeit in Südengland, dessen Uraufführung in einem wirklichen Wald stattgefunden hat. Damit ist nicht nur in selbstbewusster Weise auf die eigene Ausstellungsgeschichte verwiesen: ›marier qc. à qc.‹ heißt im Französischen etwas mit etwas zu vereinen oder zu kombinieren, und weist in dieser Bedeutung für Huws auch auf eine Eigenheit des künstlerischen Schaffens selbst hin. Ihr Anliegen, sich auf profunde und auch objektive Weise mit den Strukturen des Duchampschen Werks zu beschäftigen, fügt sich daher in ihre immer schon vorhandene Reflektion über das Kunstmachen und Ausstellen ein.
In dieser Hinsicht lässt sich auch der Ausstellungstitel Il est comme un saint dans sa niche: Il ne bouge pas (»Er ist wie ein Heiliger in seiner Nische: Er bewegt sich nicht«) lesen. Die in der französischen Sprache veraltete Redensart beschreibt jemanden oder etwas, der oder das nicht bereit ist sich zu bewegen. Im Ausstellungskontext deutet sie auf die Wesensart von Kunstwerken: Sie sind feststehende, unveränderliche Objekte. Was allerdings höchst flexibel bleibt, ist der individuelle Prozess des Verstehens der Betrachter. (kestnergesellschaft, 2010)
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