Ausstellungen und Kunstblog
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Charlotte Perriand: Designerin
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Rita McBride: Previously
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Rita McBride (Details)
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Matthew Barney – Prayer Sheet with the Wound and the Nail (Details)
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Matthew Barney: Prayer Sheet with the Wound and the Nail
Schaulager
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Where Three Dreams Cross: 150 Jahre Fotografie aus Indien
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Where Three Dreams Cross – 150 Jahre Fotografie aus Indien (Details)
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Ryan Gander: Zürich Art Prize Träger 2009
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07.02.10 - 09.05.10: Fondation Beyeler
Baselstraße 101, Basel/Riehen,
Telefon: 0041-(0)61-64597-00
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Pressetext // 100 Jahre nach dem Tod Henri Rousseaus (1844–1910) widmet die Fondation Beyeler diesem Pionier der Moderne eine Ausstellung. Anhand von 40 herausragenden Werken werden die Entwicklung und die Vielfalt seines Schaffens vorgestellt und ein konzentrierter Überblick über sein Werk gewährt. Der Zollbeamte Rousseau hatte keine Kunstschule besucht und malte zunächst nur in seiner Freizeit. Lange als naiver Maler verkannt, schaffte er den Durchbruch in den Pariser Salons erst spät. Neben den legendären, für sein Spätwerk charakteristischen Dschungelbildern hat Rousseau Ansichten von Paris und der die Stadt umgebenden Landschaften ebenso wie Figurenbilder, Porträts, Allegorien und Genreszenen gemalt. Zusammen mit Monet, Cézanne, van Gogh und Gauguin gehört Rousseau zu den entscheidenden Künstlern, die mit ihren Bildfindungen der noch jungen Moderne den Weg geebnet haben. Nachdem die Impressionisten und ihre direkten Erben einen neuen Blick auf das Sichtbare entwickelt hatten, erschloss Rousseau der Moderne Quellen jenseits der akademischen Lehren. Mit nur vermeintlich naiven künstlerischen Konzepten führte er unter anderem das Genre der imaginären, erträumten Landschaft in seinen Dschungelbildern zu einem ungeahnten Höhepunkt.
Die Ausstellung präsentiert, wie Rousseau Aspekte von Zivilisation und Natur im Bild vereinte und dabei unterschiedlichste Themen seiner Bildkonzeption anverwandelte. Einzelne Motive wie Blätter oder Bäume, aber auch Figuren, darüber hinaus auch ganze Bildstrukturen oder Kompositionselemente wurden von Rousseau von einem Bild ins andere übertragen. Diese Grundmuster, die er durch Kombination und Variation zu einer reichen Palette von Motiven und Genres ausweitete, wendete er sowohl für die französischen als auch die exotischen Sujets an. Der Bildraum wird durch das Stapeln der Bildelemente von hinten nach vorne erzeugt, was später von den Kubisten aufgegriffen wurde. Der additive Bildbau in Form einer gemalten Collage nahm die für die Moderne charakteristische Autonomie der Bildfläche vorweg, wovon sich junge Künstler wie Pablo Picasso oder Fernand Léger faszinieren liessen.
Um diese besonderen Aspekte von Rousseaus Schaffen anschaulich werden zu lassen, bedient sich die Ausstellung zweier Präsentationsformen. Zum einen zeigt sie Rousseaus Themenkreise anhand von Werkgruppen, die auf die einzelnen Säle der Ausstellung verteilt sind. So folgt auf den einführenden Dokumentarraum, ein den Porträts gewidmeter Saal, danach ein Raum mit den kleinformatigen französischen Landschaften und schliesslich der grosse Saal, dessen Wirkung in der Hauptsache von den Dschungelbildern bestimmt wird. Innerhalb dieser Anordnung wurde zugleich Platz für eine Auswahl besonderer Gruppen und Paare von Bildern geschaffen, in denen die angestammten Gattungsgrenzen gezielt über-wunden werden. Dies erst ermöglicht es, das erwähnte, für Rousseau typische Wandern der Motive und das Spiel mit Gegensätzen nachzuvollziehen. So treten das späte Dschungelbild Forêt vierge au soleil couchant, um 1910, und das Figurenbild Les joueurs de football von 1908 zum direkten Vergleich an: Der über den Fussballspielern schwebende Ball wirkt wie das verschobene Motiv einer untergehenden Sonne – eine fast surreale Komposition, die später Max Ernst und René Magritte inspiriert hat. Ebenso werden in der Ausstellung erst-mals drei Hauptwerke Rousseaus nebeneinander hängend zu sehen sein, die ganz verschiedenen Gattungen angehören, aber dennoch weitgehend identische Kompositions-muster präsentieren: die ländliche Szene La noce, 1904–05, La muse inspirant le poète, 1909, aus der Reihe der sogenannten »portraits-paysages« und Joyeux farceurs, ein 1906 entstandenes Dschungelbild.
Henri Rousseau hat zunächst vor allem viele kleinformatige Bilder der französischen Vor-städte und der Natur seiner unmittelbaren Umgebung gemalt. Dabei kristallisiert sich ein besonderes Interesse an Motiven heraus, die die Zonen des Übergangs zwischen der rationalistisch geordneten Zivilisation und dem Ungeordneten, Wilden der Natur ins Blickfeld rücken. In den kleinen französischen Landschaften erscheint das Fremde als dichter Wald im Hintergrund und als ein separater Bildbereich: Die Natur ist durch einen Zaun hindurch oder hinter einer Festungsmauer zu erblicken. In L’octroi, um 1890, etwa ist die Stelle des Über-gangs durch eine der »Zollstationen« markiert, an denen der »Douanier« bis 1893 seinen Dienst versah. Diese Passage zwischen dem Wohlgeordneten, Vertrauten und dem Unbekannten, Fremden gestaltete Rousseau als zentrale Stelle seiner Bilder, wie in der Ausstel-lung etwa auch anhand von Promeneurs dans un parc von 1907-08 deutlich wird. In seinen bekannten Dschungelbildern gelang es ihm, der nie einen Urwald betreten hat, die Sphäre des Domestizierten schliesslich selbst – zumindest in der Imagination – zu verlassen und sich ganz auf die Seite des »Wilden« zu begeben. Diesen erträumten Wäldern verlieh Rousseau zudem in viel grösseren Formaten Bildwirklichkeit.
Den Höhepunkt der Ausstellung bildet denn auch eine bedeutende Gruppe von Rousseaus berühmten Dschungelbildern. Als zentrales Werk ist – neben Rousseaus erstem Dschungel-bild überhaupt, dem in der Londoner National Gallery bewahrten Surpris! von 1891 – das rätselhafte La charmeuse de serpents von 1907 (Musée d’Orsay, Paris) zu erwähnen. Der unmittelbare Bezug zur Sammlung Beyeler ist durch sein monumentales Hauptwerk Le lion, ayant faim, se jette sur l’antilope,1898/1905 gegeben, das Rousseau bei seinem erstmaligen Auftritt am Salon d’Automne von 1905 in Paris gezeigt hat. Im März 1906 kaufte Ambroise Vollard das aufsehenerregende Gemälde – das erste Werk Rousseaus überhaupt, das in den Kunsthandel gelangte. 1988 nahm es Ernst Beyeler in die Sammlung auf. Zur Eröffnung der Fondation Beyeler 1997 erhielt das Bild dann einen eigenen Saal und somit einen Ehrenplatz.
Die Ausstellung dokumentiert zudem Rousseaus vielfach belegtes Interesse an der Fotografie: Einige seiner Kompositionen – etwa La carriole du père Junier von 1908 – basieren nachweislich direkt auf Fotografien. Malend erfand er eine völlig neue Welt, die er vor dem Objektiv seiner imaginären Kamera in Schichten zu einem Bild arrangierte. Bei aller fotografischen Treue galt es immer, die abgebildete Welt auf Abstand zu halten, wie es etwa das Gemälde La noce, 1904-05, in seinen von der Vorlage abweichenden Massstabs- und Proportionsverzerrungen prägnant vor Augen führt.
Rousseau eröffnete der Malerei einen neuen Zugriff auf das imaginär Geschaute. Seine Wirklichkeitsrezeption gründete primär auf der Beobachtung, Nachbildung und Umwandlung des Sichtbaren. Er lehrte die Moderne auf diese Weise, das Unbekannte aus formalen Bausteinen des Bekannten zu errichten. Dadurch etablierte er eine neue Logik und Mechanik des Bildaufbaus, die auf die Rousseau nachfolgenden Künstler bis hin zu den Surrealisten eine grosse Wirkung entfalteten. Auch gehörten der eng mit ihm befreundete junge Robert Delaunay und Wassily Kandinsky zu den Ersten, die Rousseaus herausragende Bedeutung erkannt haben. Legendär ist das »Banquet Rousseau«, das Picasso im November 1908 in seinem Atelier im Bateau-Lavoir auf dem Montmartre zu Ehren des Malers ausrichtete. Unter den Gästen befanden sich auch Georges Braque, Guillaume Apollinaire, Gertrude und Leo Stein. Entsprechend werden in den an die Ausstellung angrenzenden Sälen Sammlungs-werke der Kubisten, von Picasso sowie von Léger gezeigt. So wird nachvollziehbar, wie die bildnerischen Methoden Rousseaus von Künstlern der nachfolgenden Generationen aufgenommen und weiterentwickelt wurden.
Der Ausstellungskatalog, erschienen bei Hatje Cantz, enthält Essays von Philippe Büttner, Christopher Green, Franz Hohler und Daniel Kramer sowie Werkkommentare von Philippe Büttner, Nancy Ireson, Daniel Kramer und Simone Küng. 120 Seiten, 87 Abbildungen, davon 82 farbig, CHF 64.– vor Ort. // 39,80 Euro im Büchhandel
“ Henri Rousseau in der Fondation Beyeler ”
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